Rösrath ist bereit für ein modernes Radwegenetz
Montag, 9. 3. 2026, 18 Uhr, Technisches Rathaus Venauen. Im Sitzungssaal berät die Politik über das von der Verwaltung erarbeite Konzept der Alternativrouten für den Radverkehr.
Draußen vor der Tür sind die Fahrradständer bis auf den letzten Platz belegt.
Das sollte ein deutliches Zeichen dafür sein, dass Rösrath nicht nur bereit ist für ein modernes Radwegenetz, sondern tatsächlicher und wachsender Bedarf dafür gegeben ist.

Konzept der Alternativrouten droht zu zerfallen
Das Konzept stammt aus einem Auftrag des SPV aus dem Februar 2024 und stellt Möglichkeiten dar, wie Radfahrende abseits der Hauptstraßen direkt und sicher zwischen den Ortsteilen und anderen Kommunen fahren können.
Ein externes Planungsbüro hat im Auftrag der Stadt Rösrath dieses Konzept fertiggestellt und 40 Maßnahmen vorgesehen, die in den Jahren 2026 bis 2031 realisiert werden sollen.
Nun aber konnte sich der Ausschuss nicht dazu durchringen, dieses Konzept in Gänze zu beschließen. Stattdessen wurde der Realisierungsplan lediglich zur Kenntnis genommen. Statt das Konzept ganzheitlich und strategisch anzugehen, sollen die Maßnahmen anlassbezogen dem Ausschuss zur Realisierung vorgelegt werden. Sie werden also zu großen Teilen erneut und einzeln diskutiert und ggf. vollständig in Frage gestellt.
Lediglich die sechs für dieses Jahr vorgesehenen, überschaubaren Maßnahmen wurden am Montag beschlossen.
Mit dieser Vorgehensweise jedoch droht das ganzheitlich gedachte Konzept in Einzelteile zu zerfallen, die schlussendlich ihre Wirkung verfehlen.
Die Debatte im Ausschuss hat den Anschein, dass die Wichtigkeit eines leistungsfähigen und zusammenhängenden Radwegenetzes in Teilen der Rösrather Politik nicht volllständig angekommen ist.
Johannes Thies – Rösrath Velo City
So begrüßenswert die nun beschlossenen Einzelmaßnahmen für das Jahr 2026 auch sind, so wichtig ist die Realisierung des Konzepts als Ganzes.
Jennifer Wagner – Rösrath for Future
Die Wichtigkeit eines zusammenhängenden Radwegenetzes
Johannes Thies: „Wie jedes andere Netzwerk ist ein Radwegenetz erst dann funktionstüchtig und wertvoll, wenn es vollständig, durchgängig und miteinander verknüpft ist. Straßen dürfen nicht einfach im Nichts enden. Eine klare und unmissverständliche Führung von Wegen ist dabei nicht nur für Fahrradfahrer und Fußgänger wichtig, sondern für alle Verkehrsteilnehmer, also auch für Autofahrer.
Vor diesem Hintergrund ist es unabdingbar, dass ein Konzept ganzheitlich gedacht, geplant und schließlich auch gebaut wird. Wenn das Konzept der Alternativrouten nun in kleinteilige Einzelmaßnahmen zerpflückt wird, bleibt am Ende nur gefährliches Stückwerk, das niemandem wirklich weiterhilft.“
Sichere Fahrradwege sind ein Gewinn für alle Generationen
Jennifer Wagner: „Sichere Fahrradwege sind ein Gewinn für alle Generationen: Ältere, Kinder, Jugendliche, Berufspendler, die in der Region arbeiten und Wege statt mit dem Auto auch mit dem Rad zurücklegen könnten. Wenn wir mit sicheren Fahrradwegen mehr Menschen aufs Fahrrad bekommen, entlastet das den Autoverkehr – ein Gewinn für alle.“
Explodierende Spritpreise, eine weiter wachsende Stadt
Doch auch die politische Lage, die uns jeden Tag in den Nachrichten entgegenschlägt, zeigt, wie wichtig ein sicheres und gute Fahrradwegenetz vor Ort ist. „Wir sehen gerade ganz akut, wie die globale politische Situation konkrete Auswirkungen auf unser Leben in Rösrath hat. Erneut löst eine externe Eskalation explodierende Spritpreise aus.“, sagt Jennifer Wagner. „Es gibt viele Menschen in Rösrath, die würden gerne aufs Rad umsteigen, um sich Spritkosten zu sparen – wenn sie auf den Radwegen sicher wären.“
Hinzu kommt, dass die Bevölkerung in Rösrath weiter wächst und der verfügbare Raum bereits jetzt stark beschränkt ist. Sämtliche Stadtteile klagen regelmäßig über „Parkplatznot.“
Auch und gerade vor diesem Hintergrund sollte die Politik den Radverkehr als praktische und platzsparende Alternative zum Auto konsequent fördern und die Alternativrouten strategisch entwickeln.
Ein zusammenhängendes Radwegenetz kommt nicht nur den Radfahrenden entgegen, sondern ist eine gute Investition für die Stadt Rösrath. Bürger und Bürgerinnen werden auf diesem Wege mittelfristig entlastet statt belastet.
Vor diesem Hintergrund sollte man nicht nur auf die Kosten der verschiedenen Maßnahmen schauen, sondern in gleicher Weise auf die damit verbundenen Potenziale für die Stadt Rösrath.
